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14. bis 23. Oktober 2011:

 

Aus Schrift wird Bild
Anemone Rapp erzählt im Studio Rose
“Von geschriebenen, übermalten und anderen Bildern”

 


Mehr als hundert Arbeiten entstanden, in denen das Schriftbild wie das persönliche Erlebnis Inspirationsquelle waren.

 


Anemone Rapp spürt in jedem ihrer Bilder dem Wesen der lebendigen Welt nach: Kraft, Wachstum, Kontroverse und wieder Kraft finden in ihren Arbeiten beständig zu neuem Ausdruck.

 


Mehr als hundert Arbeiten entstanden, in denen der Rhythmus des Schriftbildes und die Kalligraphie der Worte, ebenso wie das persönliche Erlebnis Inspirationsquelle waren.

 

Schondorf – „Von geschriebenen, übermalten und anderen Bildern“ weiß zu erzählen, wer die gleichnamige Ausstellung von Anemone Rapp im Studio Rose besucht. Dort zeigt die Malerin erstmals mehr als zwanzig Arbeiten eines Zyklus, der sie in den vergangen beiden Jahren intensiv beschäftigte.
Ausgangspunkt für diese Werkreihe der „geschriebenen, übermalten Bilder“ waren einige Manuskriptseiten eines Schriftstellers, mit dem Anemone Rapp jahrzehntelang in enger Verbindung stand. In winziger und gleichzeitig ebenmäßiger Schrift brachte der Schweizer Autor Alfred Schläpfer noch in hohen Jahren seine Romane zu Papier. Zunächst auf gebrauchte Umschläge, dann nach einer eingehenden Bearbeitung und Verbesserung auf lose, neue Seiten, um erst nach einer weiteren Reifungsphase und Korrektur die Abschrift mit der Schreibmaschine folgen zu lassen. Fasziniert von der Konzentration und der Fähigkeit, sich so aus dem Alltag herauszunehmen und ganz im Schreiben aufzugehen, ebenso wie von der strengen Disziplin, die diesem Schriftwerk zugrunde liegt, spürt Anemone Rapp dieser beeindruckenden Erfahrung nach. Mehr als hundert Arbeiten entstanden, in denen der Rhythmus des Schriftbildes, die Kalligraphie der Worte, also die formalen Aspekte des Ausgangsmaterials, ebenso wie das persönliche Erlebnis Inspirationsquelle waren. Eine inhaltliche Verschränkung taucht nur manchmal auf, und wenn, dann äußerst pointiert. So bleibt beispielsweise allein ein Wort erkennbar und geht mit den malerischen Elementen um es herum eine neue inhaltliche Verbindung ein wie im titelspendenden Bild „Daraus“.
Kraftvoll und beherzt setzt Anemone Rapp Pinselstriche, Kleckse, Collage-Fetzchen, Farbwolken, Schraffuren, Tuscheflächen und Linien. Damit erzielt sie – wie auch in ihren „anderen Bildern“, also den Arbeiten, die neben der Bildreihe „Daraus“ entstanden sind – mutige Kompositionen, die ausgewogen aufgebaut sind und gleichzeitig eine hohe Spannung halten. Zwar differieren diese „anderen Bilder“ beim ersten Eindruck stark von den „geschriebenen, übermalten“, doch viel wichtiger als die Unterschiede sind die Gemeinsamkeiten der Arbeiten.
Kraft kommt zum Ausdruck
Ob Eindrücke aus der Natur, wie dunkle Spuren, die fließendes Wasser auf Steinen hinterlassen hat, Bäume und Blüten, oder Schrift als Inspiration und Motivträger ihrer Aussage auftreten, spielt dabei keine Rolle. Denn Anemone Rapp spürt in jedem ihrer Bilder dem Wesen der lebendigen Welt nach: Kraft, Wachstum, Kontoverse und wieder Kraft finden in ihren Arbeiten beständig zu neuem Ausdruck. Unterbrochen werden die detailreichen und teils 20-mal überarbeiteten Werke des Zyklus „Daraus“ – ebenso wie die schwungvollen von der Natur inspirierten Malereien – von monochromen Bildern. Diese auf länglichen Leinwänden aufgetragenen Farbflächen sind Teil eines vormaligen Ausstellungskonzeptes, dessen Aussage für Anemone Rapp auch im Zusammenhang mit dieser Präsentation passt. „Wenn Farben spazieren gehen“, lautete der Titel dieser früheren Ausstellung, in der die Künstlerin den Farben das Recht zusprach, „auch außerhalb eines gewohnten Bildes Platz zu nehmen“, und auf diese Weise, sowohl für sich allein, als auch als Ergänzung zur Umgebung zu wirken.
„Klare Darstellungen, getreu meiner ersten Ausbildung, sind (…) schwieriger zu finden Die Handschrift hat sich verändert. Ein anderer geistiger Horizont wächst in die Arbeiten ein und macht sie für mich auch zu einem Geheimnisträger“, erläutert die Künstlerin ihre weitgehend abstrakte Malerei und fügt hinzu „interessant ist, wenn man mit einem Bild nicht fertig wird, wenn man darüber reden muss“. Sie verweist damit auf ihr Grundverständnis von Kunst als Mittler und Provokateur der Kommunikation und lädt damit jeden Betrachter dazu ein, selbst Interpretationen zu wagen und so einen Zugang zum eigenen Verständnis ihrer Bilder zu finden.
Nue Ammann (Artikel + Fotos)

 

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Dienstag, 18. Oktober 2011

AUSSTELLUNG

Geschichten auf Papier

Werke von Anemone Rapp von Romi Löbhard

„Spuren des Wassers“ von Anemone Rapp.
Zu sehen im Studio Rose in Schondorf. Foto: Romi Löbhard

 

Schondorf / Die akribisch auf feines Papier niedergeschriebenen Geschichten und Essays eines Schriftstellers haben sie fasziniert und inspiriert, sagt Anemone Rapp über einen Teil ihrer zurzeit im Schondorfer Studio Rose zur Schau gestellten Arbeiten. „Mit seiner Erlaubnis habe ich seine Blätter nach meinen Vorstellungen weitergestaltet.“ Dem Schriftsteller sei die Zustimmung möglich gewesen, so Rapp, „weil ich ja nicht die Inhalte, sondern die Buchstaben und Wörter bildlich darstellte“.

Die nur wenige Millimeter große Schrift hat die Echinger Künstlerin, die in der Schweiz Textildesign und Malerei studiert hat, vergrößert, sie hat einzelne Wörter herausgepickt und mit ihren der naturalistischen Welt längst enteilten Gestaltungsmöglichkeiten deren Symbolkraft verstärkt, oder auch abgeschwächt. Dafür hat sie an 120 DIN-A4-Blättern gleichzeitig gearbeitet.

„Die Blätter waren in langen Reihen am Boden ausgelegt“, erzählt Anemone Rapp, „und ich bin durch die Reihen gegangen und habe sie ausgearbeitet.“
Nach Fertigstellung fanden etwas mehr als 40 Bilder Gnade vor den strengen Augen der Künstlerin, 23 davon sind unter dem Titel „Daraus“ als Dreier- oder Viererserien im Studio Rose gehängt, der Rest steckt in Passepartouts und ist ebenfalls zu betrachten.

Die Serie „Daraus“ zeigt viele Facetten künstlerischer Ausdrucksformen. Das Wort „Bild“ beispielsweise hat Anemone Rapp „verbildlicht“, das heißt, es entwickelte sich von Blatt zu Blatt mehr zu einer Darstellung, es verschwand hinter dick aufgetragener, weißer, von schwarzen Zeichen durchwirkter Farbe. Bei einer anderen Serie blieben Wörter sichtbar, wurden mit kräftigem, meist schwarzem Duktus umrahmt, ihre Bedeutung so verstärkt. Collagen aus Textfragmenten wiederum täuschen eine Übermalung des Geschriebenen vor. Sehr stark vergrößerte Wörter wirken im Bild wie archaische Zeichen, können mit ein paar zusätzlichen Pinselstrichen entstandene Landschaften beleben.

„Blaue Leichtigkeit“ hat Anemone Rapp in mehrfacher, nicht identischer Ausfertigung gehängt, als Auflockerung und Trennung von „Daraus“ zu den thematisch andersgearteten Werken. Ein Wasserfall in den Bergen war das Grundmotiv für „Spuren des Wassers“ in Acryl in vierfacher Ausführung. „Am mehrmaligen Darstellen eines Themas fasziniert mich vor allem, wie sich das Bild verändert, wie sich die Vorstellung des Motivs wandelt.“ Gerade deshalb arbeite sie oft in Serien, sagt Anemone Rapp. Auf allen Werken präsent ist Schwarz, „weil es die Farbe mit der stärksten Ausdruckskraft ist“, sagt Anemone Rapp.

 

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Mittwoch, 5. Oktober 2011 STUDIO ROSE

Auch das Oktoberfest aufs Korn genommen

Ausstellung mit dem Cartoonisten Michael Heininger

Schondorf Der Münchner Cartoonist Michael Heininger bringt mit seiner Ausstellung „40 Jahre Cartoon“ Schwabinger Flair in den Ausstellungsraum des Studio Rose in Schondorf am Ammersee. Mit dem bekannten Künstler Dieter Olaf Klama, der kürzlich im Studio Rose ausgestellt hat, ist Heininger schon lange befreundet. So ergab sich der Kontakt nach Schondorf. Bei der Vernissage am Freitagabend waren Klama und auch die Schauspielerin Marianne Sägebrecht zugegen, mit der Heininger ebenfalls eine lange Freundschaft verbindet. Eine Serie von Porträts zeigen neben Klama und Sägebrecht auch Gerhard Polt, mit dem Heininger die Schulbank drückte.

Den Werdegang eines Zeichners beschrieb Schriftsteller und Dichter Manfred Ach, der bei der Vernissage die Laudatio hielt. Ach bescheinigt dem 1944 in Weihenstephan geborenen Cartoonisten „eine unverwechselbare Weltwahrnehmung“. In seinem Fundus lagern nicht weniger als 3000 Unikate, schwärmt Ach von der Schaffenskraft des Künstlers. In der Wohnung aufgehängt, seien Heiningers Ansichten der Welt „wirkungsvoller als Feng Shui“, so Ach. „Vertreibt auch spießbürgerlichen Besuch“, meinte der Laudator verschmitzt. Heininger zähle zu den „giftigsten Künstlern, die ich kenne“, so der Laudator. Mit Heininger sei er durch die Schwabinger Lokale gezogen, erzählte Ach. In seinen Anfangsjahren habe Klama das Talent von Heininger befeuert. Die Begegnung mit Marianne Sägebrecht ergab eine Freundschaft. Heininger sei Maler, Schauspieler, Illustrator und Dozent, so Ach. Im In- und Ausland zeigte er ungewöhnliche, neue und andere Arbeiten. Facettenreich seien die Arbeiten von Heininger. Besonders ging Ach auf die Neuen Medien ein, die Ach „entlarvend“ dargestellt habe.

Gerahmtes Papier statt Bildschirmen

Eine Ausstellung mit „gerahmten Papier“ statt Bildschirmen sei ein wirklicher Kontrast, so Ach. Heininger habe auch kritische Anmerkungen in der Wahl seiner Sujets gemacht. Als Chronist der Stadtgeschichte habe er beispielsweise 1979 den Schwabinger Trödelmarkt gezeichnet, den es kurz darauf nicht mehr gab. Auch lebende und historische Persönlichkeiten nahm Heininger ins Visier wie beispielsweise Karl Valentin. Vom Kollektiv Schellingstraße bis zur Gruppe Zorn reicht Heiningers Engagement.

Heininger studierte von 1965 bis 1969 an der Akademie der bildenden Künste in München und 1969 bis 1971 in Paris. 1970 hatte er seine erste Ausstellung in München, 1982 erhielt er den Schwabinger Kunstpreis für Malerei. Mit dem Schriftsteller und Dichter Manfred Ach hat er mehrere Bücher herausgegeben, wie „Cadavre Exquis oder Corpus Delicti“ oder den immerwährenden bayrischen Schimpfkalender „So schaut’s aus!“ Deftige Illustrationen in Tracht werden ergänzt durch ein bayrisches Schimpfwort pro Tag anstatt der üblichen Heiligenaufzählung. Im letzten Jahr gab es eine Ausstellung von Heininger „Klassische Cartoons zum Oktoberfest“, von denen auch einige Werke in Schondorf gezeigt werden wie beispielsweise der „Biersanthrop“ oder „Romantisches Blatt“. Neben den Trachtlern und den Bierseligen nimmt Heininger auch die Kirche aufs Korn. In seiner Gesellschaftskritik ist der Cartoonist vielseitig. In Schondorf zeigt er auch einige Werke aus einer Serie Antikriegsbilder. Exemplarisch sei hier dieses Bild: Eine verschleierte Frau weint eine Blutspur, die in plakativem Rot das untere Drittel des Bildes füllt. (rg)

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Mittwoch, 21. September 2011
TUSCHEBILDER

Fantasie und Strenge von Andreas Frey
Janos Fischer unter dem Motto „dynamo“ im Studio Rose

Schondorf / Der Dießener Künstler Janos Fischer gibt freimütig zu, dass er in letzter Zeit nicht eben häufig in der Ammerseeregion ausgestellt hat. Dies heißt aber nicht, dass sich der gebürtige Ungar nicht schon wieder etwas Neues ausgedacht hätte. In seiner typischen reduzierten Ausdrucksweise, die knapp vor der völligen Abstraktion steht, zeigt Fischer diesmal Tuschbilder. Die Gestaltung freilich verrät die Malweise nicht.

Gut einen Meter im Quadrat messen die schwarz grundierten Platten, die man – der leicht schimmernden Optik wegen – für Stahlflächen halten möchte. Janos Fischer winkt ab. Nein, nur Holzplatten habe er bemalt und ausschließlich Tuschen verwendet, diese freilich immer und immer wieder nach komplizierten Trocknungsprozessen überlagert. Auch die weißen Farbaufträge und die angedeuteten bunten Tupfer seien mit Tusche erstellt: „Es ist definitiv nicht die normale Art, wie man Tusche einsetzt.“

Die titellosen schwarzen Quadrate sind durch vielfaches Changieren gestaltet. Schon allein das Schwarz ist nicht bloß Schwarz – an manchen Stellen glänzt es, an anderen ist es matt. Zudem sind die Werke durch unterschiedliche Aufträge von Weiß rhythmisiert, das manchmal durch dünnen Auftrag Grautöne erschafft. Die Musterung kann beim einen Bild geometrische Strenge ausstrahlen, beim anderen in algenähnlichen Schwüngen mäandern. Das Entdecken der fast versteckten farbigen Spuren faszinierte die Besucher und hielt das Auge vieler Betrachter fest. Laudator Egon Günther zog in seiner Einführungsrede Parallelen zu Platons Höhlengleichnis, wobei sich nach drinnen nur Ahnungen der äußeren Bilder übertragen. Janos Fischer selber freilich ließ sich nicht auf eine Interpretation festlegen. „Ich habe keine bestimmte Absicht dahinter, wenn ich male, sondern es zeigen sich dann Dinge, die sich ergeben.“ Wenn Betrachter „Ansätze von Motiven“ erkennten, habe er freilich nichts dagegen – und Anklänge von Wasserwelten habe er in einem der Werke auch schon gesehen.

Kontrastiert wird die Schau der insgesamt eher hart wirkenden Bildplatten durch mehrere verspielte Figuren. Wie bunte Pappmaschee-Tiere sehen sie aus, stehen auf dem Boden in der Mitte des Ausstellungsraums vom „Studio Rose“ und erinnern entfernt an die Figuren der Niki de Saint-Phalle. Ungleich zu diesen gibt es bei Janos Fischer allerdings kein unmittelbares Wiedererkennen von bestimmten Lebensformen. „Eigentlich haben sie keinen Namen, doch ich nenne sie privat meine kleinen Monster“, erläuterte Fischer, der seit 1979 – mit Unterbrechungen – in Dießen lebt. Diese Kunstform sei ursprünglich bei einem Bildhauersymposion entstanden. „Ich hatte keine Lust auf etwas Schweres und wollte lieber Schattenskulpturen machen.“ Dies seien Klebefilm-Figuren gewesen, die beim Durchleuchten mit starken Lichtquellen interessante Konturen auf der Wand erzeugt hätten. „Dieses Zufallsprodukt begann mir zu gefallen, und es hat sich schließlich immer mehr verselbstständigt.“

Heute sind Fischers „Monster“ nicht mehr transparent, sondern im Gegenteil mit einer solchen Vielzahl von verschiedensten Klebefilmen ummantelt, dass man den Künstler gerne nach den Quellen für alle diese nie gesehenen farbigen Streifen fragen würde. Fest steht, dass Fischers Fantasie – auch in den strengen Bildern – mit dieser Vielfältigkeit Schritt hält. (frey)

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Ammerseekurier, 20. September 2011 (dyb)

Bilder eröffnen neue Dimensionen

Bilder und Objekte von János Fischer unter dem Titel „Dynamo“ im Studio Rose in Schondorf

Schondorf – Am Freitagabend öffnete in Schondorf das Studio Rose seine Räume für Bilder und Objekte des Künstlers János Fischer. Zahlreich strömte das Publikum in die Ausstellung mit dem Titel „Dynamo“, die Werke aus dem vergangenen Jahr des Künstlers zeigt. In seiner Einführungsrede zog der in Riederau lebende Lyriker und Übersetzer Egon Günther eine Parallele zum Fahrrad-Dynamo. Denn ebenso wie der Dynamo immer nur das nächste Stück des Weges beleuchtet und Licht ins Tiefgründige schickt, tastet sich der Betrachter Schritt für Schritt oder Schicht für Schicht durch die Bilder des Künstlers. Auch wenn die Werke auf den ersten Blick abstrakt wirken, wer genau hinschaut, hat viel zu entdecken. Da hört man plötzlich ein Schwein, das frech aus dem Bild grinst, förmlich laut schallend lachen. Und auch andere Fabel- oder Lebewesen können dem Betrachter hier begegnen. In einem anderen Bild scheint man Achterbahn zu fahren, ganz gleich, ob man nun will oder nicht. Mit dem nötigen Abstand eröffnen sich plötzlich neue Dimensionen, andere Perspektiven, eine neue Räumlichkeit entsteht. Schluchten, Abgründe tun sich auf um mit dem nächsten Blick sogleich wieder in der Tiefe der Unendlichkeit des Alls zu verschwinden. Auf dem Boden ins rechte Licht gesetzt sind auch Objekte, die aus der Beschäftigung mit Licht und Schatten entstanden sind. Auf einem Bildhauersymposium in Südtirol entschied Fischer sich anstatt mit schwerem Material mit dünnem Draht zu arbeiten. So entstanden zunächst seine „Schattenfiguren“, aus filigranen Stäben geformte Skelette. Platziert auf einem Overheadprojektor warfen diese interessante Schatten an die Wand. Aus der Überlegung, das die Gebilde nicht zwingend transparent sein müssen, entwickelten sich schließlich mit einer ganz eigenen Dynamik jene selbstständigen Objekte aus Tesafilm und farbigem Isolierband, die für Fischer etwas Freches, Unbekümmertes, Kindliches in sich tragen.

Tusche auf Holz. Es sind die Schicht für Schicht aufgetragenen
Farben, die auf János Fischers Bildern Wirkung zeigen. Foto: Dyballa

Motive entstehen beim Malen

János Fischer verwendet in seinen Bildern verschiedene Tuschen. Schwarz und Weiß sind dabei nach wie vor die Hauptakteure, Farbe setzt er wohldosiert hier und da punktuell ein. Dass seine Bilder wie gedruckt wirken, liegt an der Technik des Auftragens. Mit Schaumstoffrollen bringt Fischer Schicht um Schichten über mehrere Wochen hinweg Farbe auf eine Holzplatte, die auf dem Tisch liegt. Diesen Prozess wiederholt er so lange bis er mit dem Ergebnis zufrieden ist. Fischer hat keine fertigen Bilder im Kopf, sie entstehen während des Prozesses. Jeder Farbauftrag birgt auch für ihn immer wieder Überraschungen, regt ihn zu neuen Ideen an, trägt ihn und das Werk gleichermaßen weiter in seiner Entwicklung. So gibt es keinen Stillstand, es ist ein Prozess im Wandel, der zugleich beflügelt und fordert. So lange fordert bis Licht und Schatten, Dichte und Transparenz, Raum und Form oder philosophisch betrachtet, Schein und Wirklichkeit im richtigen Verhältnis zueinander stehen. Es sind Bilder in denen man sich verlieren kann, in denen man vergeblich nach einem Anfang und einem Ende sucht. Diese Orientierungslosigkeit übt zugleich eine ungeheure Sogwirkung aus, die den Betrachter in ihren Bann zieht und ihn nur schwer wieder loslässt. Die Kraft der Bilder von János Fischer war an diesem Abend deutlich spürbar, denn das kunstinteressierte Publikum diskutierte lange und angeregt.

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Augsburger Allgemeine, Montag, 21. März 2011

Ausstellung:
Kleine, kraftvolle Dialoge

Hans Neuhauser
im Studio Rose in Schondorf

von Gudrun Szczepanek

Thema in den neuesten Zeichnungen von Hans Neuhauser ist der geistig-emotionale Dialog zwischen zwei Formen.

Zwei kleine Flächen, flüchtig skizzierend mit verdünnter Tusche auf ein Papier gesetzt, bilden den Auftakt zu den neuen Kompositionen von Hans Neuhauser, die derzeit im Studio Rose in Schondorf gezeigt werden. Es ist das Thema der abstrakten Kunst, das der Zeichner hier mit großer Kreativität in den vierundzwanzig ausgestellten Arbeiten erprobt.

Schon Paul Klee reduzierte 1920 die Formelemente der Grafik auf „Punkte, lineare, flächige und räumliche Energien“. Zunächst stehen die beiden Flächen in den Arbeiten von Neuhauser hilflos nebeneinander. Erst durch die weitere Bearbeitung gehen sie Beziehungen ein und treten in immer neue Dialoge. Flächen scheinen aufeinanderzuprallen, verändern ihre Formen, lassen Staub und Elemente aufwirbeln. Zarte Konturierungen lassen sie plastisch, nahezu schwebend erscheinen. In anderen Blättern haben sich die beiden ungegenständlichen Formen tief in das Papier eingegraben.

Die Experimentierfreude des Künstlers kennt keine Grenzen. So fällt es ihm auch mal ein, Kohlestücke auf Papier zu legen und durch die Radierpresse zu ziehen. Dabei drückt sich das Material tiefschwarz in das Papier, zerbricht zugleich an den Rändern und setzt Kohlestaubwölkchen frei, die sich nun zart auf dem hellen Untergrund abzeichnen. Während zunächst der Zufall eine Rolle spielt, so liegt die weitere Entwicklung sehr wohl in der Hand des Zeichners, der mit dem Vorhandenen spielt.

Dialog in zweifacher Hinsicht

Die Ausstellung heißt „Dialog“, und das ist durchaus in zweifacher Hinsicht gemeint. Da ist zunächst der Dialog der Flächen miteinander, der sich trotz des kleinen Formats ziemlich kraftvoll gestalten kann. Doch zu verstehen sind die Arbeiten auch als Dialog des Zeichners mit seinen Formen.

Er agiert nicht nur geistig-visuell mit ihnen, sondern mitunter auch verbal. So steht über einer kleinen Form das Wort „zurücknehmen“, und ein Pfeil weist ihr die Richtung.

Der 1960 geborene Johann Neuhauser ist Zeichner aus Leidenschaft. Dabei ist er überzeugter Autodidakt und schätzt seine Unabhängigkeit von Lehrern und Schulen. Mit den ausgestellten Arbeiten, die in den letzten vier Monaten entstanden sind, geht er wieder mal einen neuen Weg. Humorvoll und offen lässt er sich von seiner Umgebung, von Assoziationen und Begegnungen zu seinen Bildthemen anregen. Er zeichnet gleichermaßen realistisch-figurativ oder abstrakt bis ungegenständlich. In ihrer konsequenten Konzentration auf den ausschließlichen Dialog von zwei Formen sind die neuesten Arbeiten sehr überzeugend. Durch die Reduktion der Farben auf Schwarz und mitunter ein wenig Rot oder einen Hauch von Gelb erhalten die kleinen Blätter eine erstaunlich kraftvolle Monumentalität.

Die stringente Thematik und das gleichbleibende Bildformat lässt die Ausstellung in sich geschlossen wirken. Dass die Bilder nach formalen Kriterien in kleine Gruppen zusammengefasst sind, gibt ihr zudem Spannung und erleichtert dem Betrachter die Orientierung.

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Vom 7. bis 16. Mai 2010 stellten die Fotografin Renate Blaes und die Bildhauerin Waltraud Vogel einen kleinen Teil ihrer Werke aus. Die Vernissage war gut besucht und die Reaktionen von Publikum und Presse sehr positiv. Wir danken den Künstlerinnen herzlich für diese schöne Ausstellung.